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Tauchlehrer gegen Mitarbeit: Darauf solltest du achten!

Gepostet von: Felix Dziekan in: Tauch Blog am Sep 11, 2017
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Oft sehe oder höre ich von Tauchschulen, die eine Ausbildung zum Tauchlehrer gegen Mitarbeit anbieten. Auf den ersten Blick keine schlechte Idee - kostet die Ausbildung doch immerhin zwischen 3000 und 6000 Euro! Bevor du dich jedoch auf ein solches Angebot einlässt, lies bitte diesen Blogpost bis zu Ende. Das rate ich vor allem denjenigen, die noch gar keine Taucherfahrung haben und die sogenannte "From zero to hero"-Nummer durchziehen wollen; die also quasi über keinerlei Tauchschein/OWD verfügen, sich jedoch direkt zum Tauchlehrer ausbilden lassen möchten. 

Eines vorweg: Ich habe schlechte Erfahrungen mit dem Modell "Ausbildung gegen Mitarbeit" gemacht und bin daher kein Fan mehr davon. Klar, es gibt auch Vorzüge bei diesem Konzept - dennoch würde ich davon abraten. In der unten stehenden Infobox findest du darüber hinaus noch einen weiteren Link zu einem anderen Post, der sich diesem Thema widmet.

Pros & Contras 

ProContra
Relativ viel Erfahrung nach der Ausbildung im Vergleich zu reinen KursenKein oder kaum Verdienst während der Ausbildung
Gute Chancen nach der Ausbildung einen Job zu findenTrotzdem hohe Ausgaben für Ausrüstung (falls nicht bereits) vorhanden
Kontakte zur lokalen Tauchbranche geknüpftExtrem viel Arbeit, wenig Freizeit
Anfallende hohe Kosten sind trotz allem oft selbst zu tragen

 

Kosten

Eine Ausbildung zum Tauchlehrer bringt neben den reinen Kursgebühren noch etliche Nebenkosten mit, die abhängig vom Verband sehr hoch sein können.

Zum Beispiel:

  • Kursmaterial wie Lehrbücher, DVDs etc.
  • Zertifizierungsgebühren
  • Mitgliedsbeiträge
  • Ausrüstung 

Das sind nur zusätzliche Ausgaben, die direkt für die Ausbildung anfallen. Neben den Dingen, die du für die Ausbildung brauchst, hast du natürlich noch weitere Kosten wie beispielsweise: 

  • Unterkunft
  • Verpflegung
  • Kommunikation
  • Vergnügen

Unterkunft und Verpflegung werden manchmal gestellt, aber eben nicht immer. In meinem Fall wurde mir die Unterkunft gestellt, um die Verpflegung musste ich mich allerdings selbst kümmern.

Als Finanzpolster würde ich deshalb - abhängig davon wo du bist - nochmal mindestens 4.000-6.000 Euro extra einplanen, etwas weniger, falls du schon die komplette Ausrüstung besitzt.

Wie läuft das ab?

Meistens wirst du morgens einer der Ersten sein, die in der Tauchschule sind - und einer der Letzen, die diese abends wieder verlassen. Gearbeitet wird fünf bis sechs Tage die Woche. In der Hochsaison ist es nicht unwahrscheinlich, dass du ein paar Wochen ohne freie Tage durcharbeiten werden musst. Da man dir als Anfänger keine Tauchschüler anvertrauen wird, musst du gewillt sein, vor allem in der Anfangszeit viele undankbare Aufgaben erledigen: Basis putzen, Flaschen füllen, Ausrüstung warten, Kunden werben usw.

Relativ schnell wirst du aber auch anfangen, Tauchgänge eines anderen Tauchlehrers zu begleiten und unter dessen Aufsicht Briefings machen.

Sobald du die nötigen Kurse gemacht hast und dich an den Tauchplätzen auskennst, wird man dich deine eigenen Tauchgruppen guiden lassen. Dazu musst du jedoch schon Diveguide oder Dive Master sein.

Wenn du nun allerdings glaubst, der Tag wäre nach 8-10 Stunden vorbei, hast du dich geschnitten. Oft wirst du bis in die Nacht Theorie büffeln, Vorträge vorbereiten, Übungen durchgehen und so weiter. Kurz: Es gibt eine menge Hausaufgaben zu machen.

Wie ist die Bezahlung?

Bezahlung? Welche Bezahlung? Als Vergütung für deine Mitarbeit bekommst du schließlich die Ausbildung! Manche Anbieter geben im besten Fall noch ein kleines Taschengeld oder eine Kommission, für Ausrüstung und Kurse, die du verkaufst.
Mein Deal war damals z.B.: Unterkunft wurde gestellt und ich bekam eine Provision für Schnuppertauchkurse, die ich an Kunden vermittelt hatte.

Letzte Überlegungen und Checkliste

Falls du immer noch vor hast, dich auf einen solchen Deal einzulassen, hier ein paar Denkanstöße: Frage nach, was der Deal alles beinhaltet! Vor allem wenn man frisch in der Branche ist, fehlen dazu oft Informationen oder ein Überblick. 

  • Sind Unterkunft / Verpflegung enthalten?
  • Sind alle Kursmaterialien, die benötigt werden, enthalten oder muss ich für deren Kosten selbst aufkommen?
  • Sind die Zertifizierungsgebühren enthalten?
  • Was kostet mich der Spaß, wenn ich unterdessen abbrechen muss / will?
  • Muss ich irgendwelche Versicherungen abschließen oder sind diese mit drin?
  • Sind die Jahresgebühren für die Mitgliedschaft im Verband enthalten?
  • Welche Ausrüstung muss ich kaufen?
  • Welcher Verband zertifiziert meine Ausbildung? (Ich empfehle hier PADI.)
  • Wie lange ist die Ausbildungszeit?
  • Kann ich 6-12 Monate ohne festes Gehalt leben?
  • Was kostet der Kurs vor Ort, wenn ich die Ausbildung nicht abarbeite?
  • Gibt es dort, wo ich hin möchte schöne Tauchreviere?
  • Brauche ich bestimmte Vorkenntnisse (Fremdsprache(n) / Führerschein)?
  • Bis zu welchem Level möchte ich mich zertifitizieren lassen? Divemaster oder Tauchlehrer?
  • Kann ich in der Tauchschule während meiner Freizeit umsonst an Funtauchgängen teilnehmen?
  • Kann ich nach meiner Ausbildung bei der Tauchschule, bei der ich meine Tauchlehrerausbildung gemacht habe, arbeiten?
  • Besteht die Möglichkeit während der Ausbildung Geld zu verdienen?
  • Gibt es einen schriftlichen Vertrag? (Diesen unbedingt schicken lassen, bevor man in den Flieger steigt!)
  • Gibt es versteckte Kosten, die ich selbst zu tragen habe (Nationalparkgebühren / Visa)?
  • Bekomme ich überhaupt ein Visum für den gesamten Zeitraum der Ausbildung und welches Visum brauche ich?

Mein Tipp: Schreibe alles, was ausgemacht wurde auf und lass es von deiner Tauchschule abzeichnen. Ich habe selbst erlebt, dass manche Dinge einfach zu gerne "vergessen" wurden.

Fazit

Meine Erfahrungen mit dem System "Ausbildung gegen Mitarbeit" waren schlecht. Vieles hatte natürlich auch mit der Tauchschule zu tun. Obendrein bin ich auch deutlich zu blauäugig an die Sache ran gegangen. Nach fünf Wochen war ich wieder in Deutschland - ohne Ausbildung und ohne kaum Tauchgänge gemacht haben zu können.

Gruß,

Felix

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